< link rel="stylesheet" type="text/css" media="all" href="https://cdn.judge.me/shopify_v2.css">

Der Priming Effekt im Kleiderschrank: Unsere Expertin Silke Weinig verrät dir die Tricks

“Ich helfe und unterstütze Menschen dabei, die Person zu sein, die sie gerne sein wollen” – das sagt Silke Weinig, wenn man sie nach ihrem aktuellen Beruf fragt. Sie ist nämlich seit rund zehn Jahren als Coach und Trainerin für Selbstmanagement tätig und möchte Orientierung für die eigene Lebensphilosophie ihrer Klient*innen geben. 

Bei Einzelcoachings, Workshops und Seminaren (u. a. für Unternehmen) geht sie gemeinsam mit ihnen den großen Fragen des Lebens nach: “Wer bin ich?” und “Was liegt mir am Herzen und wie finde ich das eigentlich heraus?” Ihre Methoden beruhen dabei unter anderem auf dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM), ein Fünf-Phasen-Programm, das Silke Weinig das erste Mal in ihrem Aufbaustudium der Psychologie an der Uni Zürich kennengelernt hat. Dabei ist ihr eines besonders wichtig: “Wir selbst sind immer genug.” Es geht also nicht um Selbstoptimierung, sondern um Orientierung.

Wir durften mit ihr über den sogenannten Priming Effekt sprechen, der so einige Bereiche unseres Lebens beeinflusst, darunter auch unsere Kleiderwahl. Was es damit auf sich hat, wieso Stoffmuster tatsächlich (irgendwie) Gefühle haben und was Bikinis mit schlechten Matheklausuren zu tun haben, liest du hier bei uns.

Der Priming Effekt – das steckt dahinter

Wird vom sogenannten Priming Effekt gesprochen, geht es um einen schemenhaften Ablauf in bestimmten Situationen, durch den eine bestimmte Reaktion oder Assoziation hervorgerufen wird. Das geschieht durch einen oder mehrere Reize, die uns immer weiter darauf vorbereiten. Das Ergebnis bahnt sich also nach und nach an, indem spezielle Reize Dinge hervorrufen, die wir mit ihnen assoziieren. 

Damit du dir das besser vorstellen kannst, denk als Beispiel mal an diesen weit verbreiteten Partytrick: Jemand fragt nach der Farbe von Papier, dann nach der Farbe von Schnee und nach und nach werden immer mehr Fragen gestellt, deren Antwort “weiß” lautet. Dann folgt die Pointe: “Was trinkt eine Kuh?” - und uns purzelt doch tatsächlich “Milch!” aus dem Mund, obwohl sie natürlich Wasser trinkt. Die Fragen zuvor allerdings haben uns aufgrund der gesetzten Reize dazu gebracht, unsere Assoziation zwischen weißer Milch und Kühen aufzurufen.

Priming: Ein Alltagsphänomen

Lächelnde Frau vor dem SpiegelEin Lächeln im Spiegel und der Tag kann starten

“Wir werden immer geprimed”, sagt Expertin Silke Weinig, denn der Effekt, so stellt sie klar, ist fester Bestandteil unseres täglichen Lebens. Das kann unterbewusst, aber auch ganz gezielt gesteuert funktionieren. Das Gute ist: Auch wir selbst können den Effekt so nutzen, dass er uns das Leben ein wenig einfacher macht.

So können wir sogar unseren ganzen Körper nutzen, um uns positiv zu beeinflussen – egal, ob bewusst oder unbewusst. Die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist wird Embodiment genannt. Auf Deutsch bedeutet Embodiment so viel wie Verkörperung oder Verleiblichung (oder Inkarnation). Dieser Nebenzweig der Kognitionswissenschaften beschäftigt sich damit, dass sich unser Geist nicht nur im Kopf befindet, wie Descartes dachte, sondern im ganzen Körper. Das Phänomen, dass sich körperliche Prozesse auf unsere innere Haltung übertragen nennt man Body-Feedback.

Kurz gesagt, gibt der ganze Körper eine Rückmeldung an unser Gehirn und beeinflusst somit unser Verhalten und unsere Stimmung. Beispielsweise kann man mit Balanceübungen durch sogenannte Rückkopplungsschleifen die Information vom Körper an den Geist geben, dass wir in Balance sind und nichts und niemand uns umwerfen kann. 

Probiere das auch ruhig mal bei dir selbst aus: Wenn du dich z. B. morgens im Spiegel selbst anlächelst, löst das in deinem Körper eine positive Reaktion aus und du fühlst dich selbstsicherer und besser gelaunt. Zudem kann die Körperhaltung auch eine Wirkung nach innen haben: Sitzt du eher aufrecht und gerade und nicht in dich zusammengesackt, bist du gelassener und stärkst dein Selbstbewusstsein. 

Dir ist auch sicher schon einmal aufgefallen, dass wir bei Redner*innen unseren ersten Eindruck und damit die ganze Erwartungshaltung, mit der wir zuhören, häufig gar nicht vom Einstieg in den Vortrag, sondern vom äußeren Erscheinungsbild abhängig machen. Denn: Wir können gar nicht anders, als mit bestimmten Reizen auch bestimmte Assoziationen zu verbinden.

Genau diesen Effekt aber können wir für uns nutzen. Natürlich funktioniert der Priming Effekt in beide Richtungen, sowohl positiv als auch negativ. Welchen Weg deine Laune einschlägt, kannst du selbst bestimmen, wenn du die Tricks zum Priming im Hinterkopf behältst. Bei Kleidung funktioniert das besonders gut, daher hat unsere Expertin uns hierzu noch mehr Details erklärt.

Außen hui, innen… hui! So wirkt deine Kleidung auf dich selbst

Kleidung wirkt nach außen und nach innen”, erklärt Silke Weinig. Denn sie sorgt nicht nur für den Ausdruck, den deine Umgebung wahrnimmt, sondern auch für den Eindruck, den sie bei uns selbst hinterlässt. Beispiel gefällig? Es gab da mal ein interessantes Experiment zur inzwischen überholten Annahme, Frauen seien schlechter in Mathematik. Die eine Gruppe trug dabei Badeanzüge unter ihrem eigentlichen Outfit, um ein stärkeres Gefühl von Weiblichkeit zu erzeugen. Und ja: Sie schnitten tatsächlich schlechter bei den Aufgaben ab als eine Kontrollgruppe, die keinen Reizen ausgesetzt war, die mit Femininität assoziiert werden. 

Ähnliche Ergebnisse gab es beispielsweise auch beim Sport, wobei rote Trikots die Siegeschancen des Teams erhöhten und schwarze Trikots die Bereitschaft Fouls zu begehen steigen ließen. Dass wir mit Farben, Mustern und vielen anderen Reizen bestimmte Assoziationen verbinden, ist Teil unserer Sozialisation. Dass wir damit also beispielsweise gewisse Attribute in Zusammenhang bringen, wurde uns antrainiert – und die können auch wieder abtrainiert werden. 

Wusstest du beispielsweise, dass es nicht immer die gängige Meinung war, Mädchen würden rosa tragen und Jungs eher blau? Bis ins 19. Jahrhundert war rosa als Abstufung des königlichen Rots tatsächlich die Farbe der Wahl für die Söhne der Monarchen, Mädchen dagegen war eher blau vorbehalten. Dass mit pink also das Klischee von süß, brav und mädchenhaft assoziiert wird, ist nichts anderes als Priming, das sich im Laufe der Zeit sogar gewandelt hat. Der Effekt passt sich nämlich stark an (Seh-)Gewohnheiten an, die in der Gesellschaft vorherrschen. Fun Fact: In Asien z. B. wird im Marketing eher mit warmen Farben gearbeitet, in Europa hingegen tendenziell mit kalten, weil jeweils andere Attribute damit in Verbindung gebracht werden.

So findest du deine perfekte Priming-Strategie

Kleidung auf BügelnEin Blick in den eigenen Kleiderschrank

Damit du den Priming Effekt optimal für dich nutzen kannst, hilft es erst einmal, dir über die Bedeutung und Wirkung von Kleidung bewusst zu werden. Als ersten Schritt denk ruhig mal darüber nach, welches Feedback du bisher von Freund*innen und Familienmitgliedern zu einzelnen Kleidungsstücken oder Outfitkombinationen bekommen hast. Du kannst selbstverständlich auch mal nachfragen: In welchem Look machst du den besten Eindruck? Was steht dir gut? Was wirkt aufregend, was vielleicht eher altbacken auf andere?

Dich an das strenge “Diktat der Mode” zu halten, wie Silke Weinig es nennt, ist dabei nicht unbedingt nötig. Mit den Tipps aus deinem Umfeld kannst du immerhin schon mal herausfinden, worin du ein besonders tolles Bild nach außen abgibst, und dieses positive Feedback kann dann natürlich auch auf dich selbst Einfluss nehmen. Andersrum klappt das natürlich auch. Wenn du dich in einem Outfit sehr wohlfühlst, deinen persönlichen Stil zum Ausdruck bringen kannst und Farben, Muster und Schnitte trägst, die du besonders schön findest, kann dir das ein tolles Gefühl für deinen Tag geben – und das spüren deine Mitmenschen

Überleg dir auch bei den Menschen in deinem Umfeld ruhig mal, welche Styles an anderen du mit bestimmten Attributen in Verbindung bringst. Stellst auch du fest, dass du einige Farben eleganter oder den ein oder anderen Schnitt bei Kleidern altmodisch findest? Zieh daraus deine Learnings für deinen eigenen Kleiderschrank. Dabei gilt: Für die richtige Priming-Strategie für dich selbst solltest du nicht unbedingt nur deine Garderobe aufstocken, sondern auch aussortieren, wenn du Dinge mit dem Falschen assoziierst.

Was dabei “falsch” und was “richtig” ist, ist dabei oft sehr subjektiv. Du solltest dir viel mehr die Frage stellen, was dein Ziel ist, das du mithilfe des Priming Effekts erreichen willst. Dieses kann sich auch je nach Kontext verändern, es gibt also nicht nur die eine Schublade, in die du deine Assoziationen verstauen musst. Es gab beispielsweise einmal ein Experiment, bei dem zwei unterschiedlichen Gruppen sowohl Detailaufgaben als auch Kreativaufgaben gestellt wurden. Im Vorhinein wurden Kittel verteilt, zu denen jede der zwei Gruppen eine andere Information gehört hatte: Der eine Kittel gehörte demnach einem besonders kreativen Malermeister, der andere einem erfolgreichen Hirnchirurgen. Das Ergebnis: Die Gruppe, die den Kittel eines Malers erhielt, schnitt besser im kreativen Bereich ab. Die Gruppe, die vermeintlich den Kittel eines Chirurgen bekam, war dagegen bei den Detailaufgaben vorne dran. 

Welche Kleidung du wählst, ist also nicht nur eine Frage deiner Persönlichkeit, sondern auch des Anlasses. Weil wir aber dennoch allen gewissen Normen und (Seh-)Gewohnheiten in unserer Gesellschaft unterliegen, nennt Silke Weinig eine kleine Einschränkung: Bei offiziellen Events sei es besser, immer in gewisser Weise formell aufzutreten.

Solltest du noch mehr zum Priming Effekt oder anderen Gebieten des Zürcher Ressourcen Modells, nach dem Silke Weinig arbeitet, erfahren wollen, empfiehlt unsere Expertin dir “Tun Sie doch was sie wollen” von Maja Storch. Hier wird mit einer spielerischen Herangehensweise das Kennenlernen von eigenen Grenzen und Meinungen thematisiert. In Literatur zum Thema Motivation und Psychologie, sowie auch auf Social Media, wie zum Beispiel YouTube, findest du ebenso jede Menge weiterführende Informationen zum Priming Effekt.

Unsere Expertin selbst jedenfalls hat sogar ihr ganzes (Berufs-)Leben umgekrempelt – auch dank des Wissens über Priming: Statt im IT-Bereich ist sie heute als Coach für Selbstmanagement tätig und sagt selbst, sie ist heute um einiges gelassener, zufriedener und richtig stolz auf das, was sie erreicht hat.

 

 

Silke Weinig Coach und Trainerin
Über Silke Weinig:

Coach, Trainerin und Bloggerin für Selbstmanagement und Potentialentfaltung. 

„Mein Ziel ist es, Menschen darin zu unterstützen das Leben zu führen, das sie sich wünschen!“ 

Kontakt: silkeweinig.com

 

 

Titelbild von Neonbrand. Weitere Bilder von Kai Pilger und Sam Lion.

Sag uns deine Meinung

Bitte beachte, dass wir uns die Kommentare vor der Veröffentlichung erst anschauen.